Barneveld

Ein Glockenspiel mit 44 Glocken Da die Glocken in einer ausgeklügelten und sehr zweckmäßigen Weise aufgehängt wurden, erwies es sich als möglich, in einem Raum von 2 m³ ein Geläute, bestehend aus 4 Glocken, einzubauen mit einer Traktur für das Spiel von Hand, einem Computerspielwerk und einer Traktur für das Walzenspielwerk. Das Glockengestell wurde hängend konstruiert mit vier Niveaus und vier Messingbalken, worauf die ausgerichteten Schwinghebel für das Handspiel mit darauf geschweißten Stativen für die Magnethämmer und die Hämmer für das Walzenspielwerk befestigt wurden. Die sechs größten Glocken wurden auf dem höchstem Niveau eingebaut. Die Basisglocke des Spiels sollte eine g2-Glocke von 93 kg werden.

Die Glocken

Im Herbst 1998 wurden die 44 Barnevelder Glocken gegossen, vierzehn davon mit Randverzierung und Gießeraufschrift. Der Tonbereich des Glockenspiels wurde g2 bis einschließlich d6. Das Gewicht der Glocken betrug 1.040 kg. Gestimmt wurden die Glocken in einer 1/5 Komma mittleren Tonstimmung, einer Stimmung, welche Gottfried Silbermann regelmäßig bei neuen Orgeln und Cembalos verwendete.

Klöppel und Hämmer

Die Klöppel und Hämmer sind von der Schmiede Rombout in Buurmalsen ganz nach einigen bewährten Beispielen aus dem 17. Jahrhundert angefertigt worden. Die Hämmerstiele wurden mit Buchsen aus Bronze als Angelstelle aus einem Stück geschmiedet. Die feinen Schlagkörper sind mittels Keilverbindungen auf die Stiele befestigt worden. Die Hämmer sind für das Publikum erkennbar auf der Außenseite der Glocken montiert worden.

Das Spielen von Hand

Weil der Raum in der Klavierkammer sehr beschränkt ist, hat man sich für eine verkürzte Klaviatur mit vier Oktaven entschieden (Manual c unter Pedal c), wobei die Maßverhältnisse der Pedale um ein wenig verringert wurden um Platz dafür zu gewinnen, dass die Klaviaturmaße in der Tat verkleinert werden konnten. Auch die Sitzbank wurde verkleinert. Der Spieler muss zunächst die Durchgangsluke schließen und die Sitzbank auf diese Luke stellen; dann erst kann er genau in der Mitte vor dem Klavier Platz nehmen. Die ganze Klaviatur samt den Manualtasten wurde aus Eichenholz hergestellt. Große Sorgfalt wurde auf das Ausschalten allerhand störender Nebengeräusche verwendet. Ein andrer sehr wichtiger Aspekt, der große Aufmerksamkeit erhielt, war die Intonation. Das Handspiel wurde mit ausgerichteten Schwinghebeln eingerichtet.

Das Walzenspielwerk

Die Spielwalze wurde um 1910 von Léon van Rie, “Horlogerie Monumentale et Carillons” zu Quaregnon-les- Mons in Belgien angefertigt. Die Walze zählte 30 Takte und 21 Spuren und wurde auf 60 Takte vergrößert. Die ursprünglichen Schiebenoten standen nicht mehr zur Verfügung; deshalb wurde nunmehr ein Rest antiker fester Noten benutzt. Die Walze wird elektrisch angetrieben und erhält jede halbe Stunde ein Signal von der Mutterglocke des Computerspielwerks. Die einprogrammierten Melodien erklingen nach dem Stunden- und Halbstundenschlag. Bestiften läßt sich die Walze gemäß dem sog. “verlorenen” Schwinghebelprinzip; dabei stehen 34 Hämmer für 20 Heber zur Verfügung. 21 Glocken sind mit Hämmern versehen. Dreizehn Glocken haben Doppelhämmer. Alle 34 Hämmer sind nach einem speziellen System angeschlossen. Auch die Durchfuhr der Drähte durch die Klavierkammer hinter dem Stangenklavier ist mittels Sonderverbindungen konstruiert worden, weil die Schlitzöffnung in dem Glockensockel sich nicht genau über der Schlitzöffnung in dem Bodem der Klavierkammer befindet.

Das Computerspielwerk

Es ist ein modernes Computerspielwerk von Petit & Fritsen geliefert worden. Die 26 Magnethämmer sind auf Stativen auf dem Glockengestell innerhalb der Glockenkammer montiert worden. Das Spielwerk wird bei Eheschließungen und aus andern feierlichen Anlässen benutzt.

Eine vollwertige Miniatur

Zurückblickend auf dieses Projekt können wir feststellen, dass hier in einem sehr engen Raum das leichteste Glockenspiel für Handspiel in der Welt, versehen mit zwei automatischen Spielwerken, errichtet worden ist. Das Instrument ist sehr kompakt gebaut. In einem Raum von 1m², einem Raum, in dem man kaum stehen kann, hängen 44 Glockenspielglocken aus Bronze, mit allem Zubehör, wie Klöppeln, Spielhämmern, Federn, Schwinghebeln und einem wirren Durcheinander von Drähten um den Mechanismus mit den Klöppeln und den Hämmern zu verbinden, das Ganze ebenso sinnvoll, wie zweckmäßig und betriebssicher eingerichtet.